Doug Casey, Louis James
Louis:
Doug, unterhalten wir uns über Geld. Ist es der einzige Brennpunkt deiner Aufmerksamkeit?
Doug:
Nein ... nur weil ich dem Geld einen hohen moralischen Wert beimesse, bedeutet nicht, daß es
deswegen nichts anderes in meinem Leben gibt. In der Tat finde ich Geld immer weniger wichtig,
je mehr Zeit vergeht und je älter ich werde.Vielleicht ist das eine Funktion von Maslows
Rangordnung: Wenn man hungrig ist, dann geht es nur um Nahrung; wenn man am Erfrieren ist,
geht es nur noch um Wärme und so weiter. Hat man erst einmal genug Geld, dann sind diese
grundsätzlichen Dinge wahrscheinlich kein Problem.
Meine schönsten Zeiten im Leben hatten überhaupt nichts mit Geld zu tun. So zum Beispiel zwei
Gelegenheiten in der Vergangenheit, als ich zusammen mit einem Freund von einem Güterzug zum
nächsten aufsprang um nach Portland bzw. Sacramento zu gelangen. Jeder Ausflug dauerte drei
Tage und Nächte, jeder voller Abenteuer und unerwarteter Erfahrungen, und alles praktisch zum
Nulltarif. Es war Befreiung von der Welt des Geldes für ein paar Tage. Aber es war eine
Illusion, da einer immer Geld beschaffen mußte, um das Essen zu bezahlen, das wir bei Bahnhofs-
missionen aßen. Trotzdem macht es Spaß, eine Zeitlang in einer Traumwelt zu leben.
Natürlich hätte ich gern mehr Geld, und sei es nur aus demselben genetisch bestimmten Grund,
aus dem ein Eichhörnchen noch mehr Nüsse für den Winter bevorraten will. Der eine gemeinsame
Nenner aller lebenden Kreatur ist ein Wort: Überlebe! Und als Tauschmittel und Wertaufbewahrung
ermöglicht Geld das Überleben... Es ist viel praktischer als Nüsse.
Louis:
Manche Leute meinen vielleicht, wenn Geld der höchste Wert ist, könnte man zum Dieb oder Mörder
werden, um es zu bekommen.
Doug:
Unwahrscheinlich, ich habe ethische Grundsätze und deshalb gibt es Dinge, die ich nicht tun
werde.
Ubrigens, Verbrechen - richtiges Verbrechen, also Andere zu bestehlen oder zu schädigen, ich
meine nicht Gesetzesbruch, was eine völlig andere Sache ist, steht dem Faulpelz, dem
Ungeduldigen und Unfähigen an. Also ehrlich, ich glaube daß sich Verbrechen nicht auszahlt,
ungeachtet der Tatsache, daß Jon Corzine von MF Global noch auf freiem Fuß ist. Kriminelle
neigen zu Selbstzerstörung.
Trotzdem, was ist das Höchste, was jemand bei einem Bankraub erbeuten kann? Vielleicht 10 000
Dollar? Das reicht für eine Wette auf Mitt Romneys Sieg. Also, jetzt wo ich über die Sache
nachdenke, In den vergangenen Zeiten, als Jesse James oder andere Diebe eine Bank plünderten,
pflegte die ganze Bürgerschaft auszuschwärmen, um ihnen eine Straßenkampf mit Gewehren zu
liefern. Warum wohl? Weil es ihr eigenes Geld war, das in der Bank aufbewahrt wurde, nicht das
Geld der Bankbesitzer.
Ein Bankraub zog immense persönliche Folgen für jedermann in der Stadt nach sich. Heutzutage
kümmert sich keiner mehr, wenn eine Bank ausgeraubt wird. Da gibt es immer eine Abteilung der
US-Regierung, von der sie ihr Geld zurückerstattet bekommen. Die Bank ist anonym geworden, die
meisten von ihnen haben keine lokalen Besitzer. Und unsere Einlagen sind zu undurchschaubaren
Wertpapieren zusammengefaßt worden für die niemand verantwortlich zeichnet.
Das ganze System ist korrupt geworden. Es zerstört die Aufgabe vom Geld. Damit zusammen hängt,
warum Kinder keine Münzen mehr ins Sparschwein tun - der Grund ist, daß die Münzen wertlos sind;
es sind nur Spielmarken, die beständig an Kaufkraft verlieren und im Grunde wertlos. Die ganze
US-Gesellschaft ist ungefähr so gesund wie jetzt der Dollar.
Im Ernst, man kann behaupten, daß Bankraub heuzutage ein viel weniger schweres Verbrechen ist
als aus einem Süßigkeitsladen 5 Dollar zu stehlen. Warum? Niemand besonderes verliert etwas bei
Überfällen auf die heute sozialisierten Banken. Wohingegen der Bonbonhändler den Velust persönlich
tragen muß. Wie dem auch sei, falls man heutzutage eine Bank ausrauben will, braucht man keine Waffe.
Man wird einfach Teil des Managements und plündert die Aktionäre mittels unerhörter Gehälter,
Aktien-Optionen und Bonuse, unter anderem. Ich mag im Ernst die 'leeren Anzüge' in den heutigen
Vorständen überhaupt nicht.
Louis:
Keine Widerrede.
Doug:
Beachte bitte noch das Folgende: wer ehrlich Gewinn kreiert, schafft etwas, das andere Leute
schätzen, nicht unbedingt, was du schätzest. Je mehr Geld ich verdienen will, umso mehr muß ich
darüber nachdenken, was andere Leute wollen, und muß bessere, schnellere und günstigere Wege
finden, um es ihnen bereitzustellen. Der Grund, warum jemand arm ist - und, ja, ich kenne alle
Ausreden für Armut - ist, daß die Armen nicht mehr herstellen als sie verbrauchen. Falls sie es
doch tun, sparen sie nicht den Überschuß.
Louis:
Die Produktiven schaffen Dinge, die andere Leute haben wollen: 'die unsichtbare Hand' von Adam
Smith.
Doug:
Genau. Eigennutz, in Form des Gewinnstrebens bringt Leute dazu, dem Bedürfnis anderer weit mehr
zuverlässig, wirkungsvoller und wirtschaftlicher zu dienen als irgendeine Moralpredigt von
Priestern, Poeten oder Politikern. Jene Leute haben tatsächlich eine zutiefst inhumane Neigung.
Louis:
Die Leute pflegen zu sagen, alles dreht sich ums Geld, und sie haben recht. Oder wie ich meinen
Studenten immer sage, es gibt zwei grundsätzliche Methoden um menschliches Verhalten im großen
Maßstab zu motivieren und zu lenken: Zwang und Überredung. Regierung ist die menschliche
Einrichtung, die auf Zwang oder Nötigung basiert. Markt ist die auf Überredung basierende.
Individuen gelingt es manchmal, andere dazu zu überreden, etwas aus Liebe, Mitleid oder anderen
Gründen zu tun, aber um gewollte Zusammenarbeit gesellschaftsweit zu koordinieren, ist der
Mechanismus der Preise einer gewinnorientierten Marktwirtschaft von Nöten.
Doug:
Aus diesem Grund ist es völlig egal, wie gewieft oder wohlmeinend Politiker sein mögen.
Politische Lösung sind auf Dauer immer abträglich für die Gesellschaft, da sie auf Zwang
gründen. Wenn eine Regierung die Macht verlöre, Gehorsam zu erwingen, wäre sie die längste
Zeit Regierung gewesen. Ganz egal wie liberal, es findet sich immer ein Grund wo alles in Gewalt
endet, insbesondere dann, wenn jemand auf die Idee kommt, den Ausstieg aus der Ordnung zu wählen
und nach seinen eigenen Regeln zu leben.
Selbst dann wenn Leute das in der möglichst friedfertigen und harmonischsten Weise in Bezug auf
ihre Nachbarn versuchen, kann es sich der Staat nicht erlauben, daß sich Separatisten bilden.
Im Augenblick, wo der Staat dieses Recht einräumt, könnte jede religiöse, politische,
gesellschaftliche oder gar künstlerische Gemeinschaft darangehen, ihre eigene Enklave zu bilden,
was den Zerfall des Staates zur Folge hätte. Das wäre toll, zumindest für alle außer den
Parasiten, die auf den Staat setzen(der Grund, warum Sezessionsbewegungen immer in Gewalt enden)
In der Tat stehe ich vor einem Rätsel, warum die meisten Leute nicht nur den Staat tolerieren,
sondern ihn zu lieben scheinen. Sie sind sind sogar begeistert von ihm. Manchmal läßt mich das
pessimistisch in die Zukunft sehen...
http://www.youtube.com/watch?v=GdfeHYa1NQQ